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      WALDBRÖL
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AS STADTMAGAZIN
   
       
  Norbert  Sell        
  Chefredakteur   Kreative Wege -  Querdenken -  Engagiertes Vorgehen -  Kommunikation -  Synergien    
           
   
   
         
      Sommersausgabe 2014    
           
     

WALDBRÖL - STADTENTWICKLUNG
Dringende Impulse für die Innenstadt fehlen


Für den 31. Mai 2012 hatte Bürgermeister Peter Koester zusammen mit der Wirtschaftsförderung und dem Berater Norbert Sell alle EinzelhändlerInnen eingeladen, in konstruktiven Gesprächen einen aktiven Weg zur weiteren Verbesserung der Innenstadtsituation zu finden. Zusammen mit Norbert Sell (Sell Media Company) und dem Stadtentwicklungsbüro ASS aus Düsseldorf sollte konkret erörtert werden, welche nächsten und notwendigen aktiven Schritte von den Einzelhändlern vor Ort umgesetzt werden können, um aus dem Abwarten in ein Agieren zu gelangen.

Es darf, und darin waren alle Teilnehmer des Kompetenzteams „Stadtentwicklung“ sich einig, keine Stagnation im Handel(n) geben, denn nur, „wer sich verändert, wird stärker. Wer sein Geschäft immer wieder neu erfindet, wächst gesund. Innovation ist die konstruktive Unzufriedenheit mit den herrschenden Umständen“, so hat Götz Werner, Eigentümer der Drogeriekette dm, die Grundlagen seines Erfolgs benannt. Soweit die Theorie. Bewegung entsteht hauptsächlich durch Investoren, die sich in Eigenregie zum Handeln entscheiden, so scheint es. Damit brüsten sich dann die Politiker vor Ort. Wem der Verdienst zuzuordnen ist, wird gerne verschleiert. Eine Stadtentwicklung verlangt allerdings auch nach einer ganzheitlichen Sicht und Führung.



Waldbröl könnte attraktiver Magnet für die Region sein

Wenn Waldbröl auch eine Einzelhandelskennziffer von über 150 hat, so ist auch bekannt, dass dieser Umsatz gerade nicht im Zentrum gemacht wird, sondern im Schwerpunkt auch durch die größeren Händler in den Randbereichen. Gerade diese Randbereiche können und sind bereit, auch den Innenstadtbereich zu stärken, weil die Unternehmer dort erkannt haben, dass das Image und die Struktur des gesamten Standortes gestärkt werden muss, um den „Gesundheit-, Einkaufs- und Kulturstandort“ Waldbröl zu einem attraktiven Magneten für Besucher und Zuzug zu gestalten. Profitieren werden bei diesem Vorgehen alle einzelnen Händler, Immobilienbesitzer und die Bürger. Denn die Lebensqualität einer Stadt mit hoher Aufenthaltsqualität ist immens.

Durch eine geplante Stadtentwicklung kann dies nun gelingen, vorausgesetzt alle arbeiten mit. Der Architekt, Stadtplaner und Geograph Hans- Joachim Hamerla beschreibt die Situation folgendermaßen:
„Die Präsentation der Waren, die Gastronomie, die Möglichkeiten zur Kommunikation laden Kundinnen und Kunden nur bedingt ein, sich in der Innenstadt aufzuhalten, geschweige denn zu bummeln.

Das Gesicht der Gebäude leidet teilweise unter Vernachlässigung oder wenig einfühlsamer Veränderung und dadurch mangelnder Authentizität.“ Bei allen Herausforderungen gelingt die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt nicht, wenn die Akteure des „Geschehens“ einzeln handeln.

Es muss ein vernetztes Agieren der Einzelhändlerinnen und Einzelhändler geben. Zusammen mit dem Büro „Architektur Stadtplanung Stadtentwicklung“ (ASS) aus Düsseldorf wollte die Stadt Waldbröl engagiert unterstützend Wege aufzeigen, die dem Handel und der gesamten Kommune zu neuer Blüte verhelfen. So war der Plan.

Die Stadtentwicklung birgt derzeit auch Gefahren für die Gegenwart

Der Umbau der Stadt darf aber nicht dazu führen, so erläutert Norbert Sell als fachkundiger Berater vor Ort, dass nur noch auf eine blühende Stadt im Jahr 2025 mit völlig neuen Akteuren geschaut wird. Denn die Umbauten die bereits 2014 erneut zu großen neuen Baustellen im Stadtbereich führen, behindern erneut die aktuelle Entwicklung der Gegenwart. Für die lange Umbauphase gibt es keine Gegenwartskonzepte. Es scheint auf eine Zukunft geschaut zu werden, bei der die Gegenwart komplett übersehen wird. Die Geschäfte in der Innenstadt müssen eine Chance haben  den Umbau zu überleben, so erklärt Sell fordernd. Darauf scheinen die Stadtentwickler allerdings nicht mit aktiven Konzepten zu schauen. Das empfindet Sell als fahrlässig. Er empfindet es als höchst fragwürdig, die sogenannten Satelliten (gemeint sind das umsatzstarke Ostend und Westend der Stadt) einfach vom Puls abzuschneiden und eine gesunde Weiterentwicklung durch Beschlüsse zu verhindern.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel "Kann die Kaiserstraße das überleben?"

Was es bedeutet, wenn sich Personen mit fehlender Erfahrung an großen Entwicklungskonzepten versuchen, zeigt überdeutlich der Bau des Berliner Flughafens. In der ZDFzoom-Dokumentation zu diesem Thema vom 16.01.2013 wird klar, dass die Politiker Wowereit, Platzek und Ramsauer das Desaster scheinbar nicht frühzeitig erkannt haben. Der Experte  für Wirtschaftrecht Prof. Dr. Dr. Manuel Theisen hat die Rolle von Aufsichträten untersucht. Er nimmt dazu Stellung, was geschieht, wenn diese Rolle von Politikern übernommen wird.

"Es sind eben von Anfang an politische Projekte," sagt Theisen, "die Rücksicht nehmen müssen, was politisch zum jeweiligen Zeitpunkt verkaufbar ist, was in Rücksichtnahme zwischen Wahlterminen den Wählern zumutbar ist, was mit Rücksichtnahme auf verschiedene Parteienkonstellationen möglicherweise getragen wird, ... also alles sachfremde Argumente. In unserem Fall kein einziges Argument hat etwas mit einem gut gehenden wirtschaftlichen Flughafen zu tun. Das wäre aber die Fragestellung, die man eigentlich vom ersten Tag an und ausschließlich im Auge des Managements und des Aufsichtsrates hätte haben müssen."

Hinzu kommt, dass bei manchen politisch Beteiligten vielleicht der Blick auf die eigene Wahlperiode und die Sicherung auch der eigenen Pension sicher ebenfalls nicht unbedingt zu rein sachbezogenen Entscheidungen beiträgt. Es geht einfach viel zu häufig auch mehr um die eigene Person und, wie auch am Beispiel Berlin zu sehen, manchmal mehr darum, seinen eigenen Posten zu schützen, als darum, ob eine Entscheidung sachlich richtig und notwendig ist.

Übertragen wir diese Erkenntnis auf das, was in Waldbröl erlebt wird, so macht es Sinn als Bürger vor Ort kritischer auf die aktuelle Stadtentwicklung zu schauen und durchaus in einer Demokratie auch mal nachzufragen. Transparenz und gemeinsames Überlegen kann hier sehr produktiv für alle Beteiligten und das Gemeinwohl sein.

Um mehr Verständnis für die Handelnden vor Ort zu bekommen,
beleuchtet die ZDF-Dokumentation die Tücken solcher Großprojekte.

Die ZDFzoom-Dokumentation landet bei der Suche auf Antworten an der Oxford-Universität in Großbritannien. Der Wissenschaftler Professor Bent Flyvbjerg der weltweit rund tausend Großprojekte untersucht hat, so auch in Deutschland, stellte fest, dass bei 9 von 10 Großprojekten die Kosten und die Terminplanungen aus dem Ruder laufen.

Professor Bent Flyvbjerg befasste sich auch mit der Frage, welche Rolle dabei die Politiker spielen. "Die meisten Beteiligten, " sagt der Wissenschaftler im Interview, "machen so ein Projekt ein einziges Mal in ihrem ganzen Leben. Wie oft baut Berlin einen neuen Flughafen? Doch extrem selten. Darum sind alle in diesem Spiel die reinsten Amateure. Wir reden also über einen Haufen Amateure. Das ist nicht nur in Berlin so. Es ist der Normalfall. So große Projekte werden so selten gebaut, dass die Bauherren per Definition Amateure sein müssen, denn sie haben es noch nie zuvor getan." Deutliche Worte eines renommierten Wissenschaftlers. Übertragen wir auch das auf Waldbröl, dann ahnen wir, welche Probleme bei der Stadtentwicklung lauern und welche Schwierigkeiten es in Bezug auf das Merkurhaus und anderen Immobilien, sowie Verkehrführungen, Gewerbeansiedlungen und die gesamte Übergangszeit während des Umbaus der Kaiserstraße geben kann.

Innenstadt und Randbereiche müssten zusammen agieren

Die Anregungen, Ideen, Probleme und deren Lösungsansätze sind Teil des intensiven Stadtentwicklungsprozesses, der in dem von ASS zu erstellenden integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept dokumentiert und mit konkreten Maßnahmen benannt wird. Bei der Diskussion in der Mensa der Gesamtschule haben allerdings auch die Planer und die Stadt deutlich erkannt, dass Innenstadt und Randbereiche an einem Strang ziehen müssten. Gerade die Randbereiche können jetzt bereits dazu beitragen, dass die Besucher nicht einfach die Stadt nur am Rand besuchen und direkt wieder verlassen, sondern mit gemeinsamen Aktionen auch in die Innenstadt gelockt werden. Dann aber muss die Innenstadt auch eine entsprechende Attraktivität anbieten. Daran sollte gearbeitet werden. Eine Stadt mit einem attraktiven Zentrum und positivem Image sorgt für erhöhte Umsätze bei allen Beteiligten, hebt den Lebensstandard und das Lebensgefühl. Die Diskrepanz zwischen den Versprechungen für die Zukunft und der Realität der Gegenwart heute im Jahr 2014 könnte krasser nicht sein. Jetzt ist Eigeninitiative der Einzelhändler und anderer Organisationen, wie beispielsweise von der Vereinigung "Waldbröl - Jetzt läuft's!" gefragt.

„Wir für Waldbröl GmbH“ hätte die integrative Führung übernehmen können

In Waldbröl gibt es viele lobenswerte Engagements. Es gibt die Werbegemeinschaft Einkaufsstadt Waldbröl (WEW), dazu die IG Hochstraße, aber eben auch viele unorganisierte Einzelhändler. Hier gilt es sich weniger um verschiedenste Gruppenprofile in der Öffentlichkeit zu bemühen, sondern exakt an einem Strang und in eine Richtung zu ziehen. Warum? Weil alle zusammen die Einzelhändler in Waldbröl sind. Und allen ist daran gelegen, dass die Stadt zu neuer Blüte findet. Es fehlte bisher in Waldbröl eine Einzelhandelsvereinigung, die konzeptionell die Stadtplanung unter Einbezug des Bestandes vernünftig, nachhaltig und zukunftsorientiert mit erarbeitet. Die Wir für Waldbröl hätte die konkrete Führung übernehmen können, um alle Interessen zusammenzuführen und gleichzeitig aber auch die notwendigen strukturellen Umbauten innerhalb bestehender Vereinigungen voran zu treiben. Diese Gruppierung scheint jedoch seit längerer Zeit handlungsunfähig und suchte händeringend nach einer fachkompetenten Geschäftsführung. Bisher ergebnislos.

„Waldbröl - Jetzt läuft's! e.V.“
bemüht sich um integratives Handeln

Bereits bei einer früheren WEW - Jahreshauptversammlung hat Bürgermeister Peter Koester deutlich auf das Fehlen einer handlungsfähigen Einzelhandelsvereinigung (nicht in Konkurrenz zur Werbegemeinschaft) hingewiesen.

Der Verein "Waldbröl - Jetzt läuft's!" hat sich in Zusammenhang mit einigen Veranstaltungen auch im Zusammenhang mit dem Waldbröler Kultur- und Musikfestival hervor getan. Unkompliziertes Agieren und Entscheiden macht die Gruppe stark. Interessant ist, dass in dieser Gruppe hauptsächlich Unternehmer aus den Randbereichen der Stadt Waldbröl engagiert und bereit sind, ausgerechnet auch intensiv und aktiv für den Innenstadtbereich stärkend tätig zu werden. Wenn dies ebenso mit den Akteuren aus dem tatsächlichen Innenstadtbereich gelingt, wäre die Stadtentwicklung mit wesentlich größeren Chancen auf den Weg zu bringen. Entscheidend ist, dass alle gemeinsam, egal wie gruppiert, miteinander das gleiche Ziel verfolgen.

Perspektiven erarbeiten – Image verbessern

Perspektiven für den Einzelhandel in der Innenstadt Waldbröl erläuterten, gemeinsam mit dem Büro ASS aus Düsseldorf und dem Büro Junker und Kruse, welches seinerzeit das Einzelhandelskonzept
für Waldbröl erstellt hatte, Bürgermeister Peter Koester und Wirtschaftförderer Eckhard Becker. In konstruktiven Arbeitskreisen sollen Wege für aktive Verbesserungen im Einzelhandel erreicht werden. Denn: Eine Stadt mit einem attraktiven Zentrum und positivem Image sorgt für erhöhte Umsätze bei allen Beteiligten, hebt den Lebensstandard und das Lebensgefühl.

Allen Beteiligten ist klar, dass diese Veranstaltung nur den Anstoß für konkrete Handlungsfelder gegeben hat, die dringend angegangen werden müssen. Nur wer übernimmt jetzt die erfolgreiche Führung?

Umbau der Einzelhandelsstrukturen
Zielorientiert gemeinsam Handeln

In Kurzform: Mit einer Neustrukturierung der Einzelhändler kann die gesamte Stadtentwicklung besser gelingen. Das Leck in der Struktur ist analysiert, die Umstrukturierung kann beginnen. Neue Initiativen können als Bindeglied und zur Auffüllung der Lücke in Waldbröl beitragen.

Die Akteure sind bereit einiges für die Stadt zu tun. Sie wollen „einfach handeln“. WEW und IG Hochstraße sind bestehende Strukturen, die ebenso wie die unorganisierten Einzelhändler gleichberechtigt einbezogen werden sollen. Es gilt die Zielorientierung in den Mittelpunkt zu stellen.

Nun sollen sich im nächsten Schritt möglichst viele Menschen eingeladen fühlen, beim Umbau der Stadt mitzuwirken. Insbesondere sollten die Akteure die Imageträger der Stadt Waldbröl begreifen und gezielt nutzen.